Nord-Thailand: Trekking im Mae Tang Tal

Mit Muskelkater und Blessuren stehen wir erschöpft und müde vor unserer Unterkunft in der Großstadt Chiang Mai. Die letzten Tage haben ihre Spuren hinterlassen. Umso mehr freuen wir uns nun auf eine richtige Toilette, eine ordentliche Dusche und ein bequemes Bett. Vor drei Tagen starteten wir mit Piroon Nantaya und seinem jüngeren Bruder Lek eine Trekking-Tour zu den abgelegenen Bergvölkern Karen und Lahu in der Nähe der Grenze zu Myanmar. Unsere kleine Gruppe bestand aus einem österreichischen und einem spanisch/deutschen Pärchen sowie vier Leuten aus Litauen. Eine tolle aber anstrengende Erfahrung nahm ihren Lauf.

Tag 1

Zusammen fahren wir morgens in einem Songthaew, einem Pickup mit Sitzbänken auf der Ladefläche, zunächst einmal raus aus Chiang Mai. Auf dem langen Weg nach Nordwesten halten wir an dem schönen Mork Fa Wasserfall, um uns in dem kühlen Wasser zu erfrischen und wenig später an einem einfachen Imbiss an der Straße zum Mittagessen. Das Songthaew windet sich anschließend immer weiter bergauf. Die geteerte Straße wird irgendwann durch eine steinige und staubige Piste abgelöst. Schon seit einiger Zeit haben wir keine Häuser mehr gesehen. Plötzlich stoppt das Fahrzeug und wir werden mitten im Nirgendwo Nord-Thailands rausgelassen.

Es ist heiß und die ersten Moskitos begrüßen uns. Mit so wenig Gepäck wie nötig wandern wir über einen Pfad, den eigentlich nur Jäger benutzen und Piroon mit seinen Gruppen sonst auch nicht benutzt. Aufgrund anderer Trekkinggruppen in diesem Gebiet hat er sich für eine alternative Route entschieden. Er und sein Bruder sind in dieser Gegend aufgewachsen und kennen sich bestens in der Umgebung und mit den Tieren und Pflanzen aus. Zwischendurch machen wir immer mal eine kurze Pause und Piroon hat durch seine 25jährige Erfahrung auf jede unserer Fragen eine Antwort parat. So erklärt er uns zum Beispiel, dass die Männer der christlich-animistisch glaubenden Bergvölker auf die Jagd gehen und hierbei das erlegte Tier im Wald zerlegen, um nicht das Tier ins Dorf zu bringen, sondern nur das Fleisch als notwendiges Nahrungsmittel. Die Seele des Tieres bleibt somit im Wald.

Der Pfad führt uns weiter hoch und runter. Immer wieder benutzt unser Guide seine Machete, um uns einen Weg durch das dichte Gestrüpp zu schlagen. Steigungen mit zum Teil 45 Grad müssen wir überwinden und immer wieder hängen die vier Litauer hinterher. Die mit Slippern und Sonnenhüten “top” ausgestatteten Mitstreiter haben sich die Trekkingtour sicherlich weniger anstrengend vorgestellt. Aber auch wir atmen auf als wir nach zwei Stunden das Dorf des Bergvolkes Karen und unsere Unterkunft für diese Nacht erreichen.

Die Menschen leben dort in einfachsten Holzhütten, welche alle auf Stelzen errichtet worden sind. Sie halten sich Nutztiere wie Hühner, Schweine, Kühe und Büffel, ernten ihren Reis selbst und müssen ohne Strom auskommen. Das Dorf liegt abgeschieden von der Zivilisation. Die Hütte der Familie, bei der unsere Trekkinggruppe übernachtet, ist genauso puristisch ausgestattet. Jedes Pärchen bekommt eine Matte, ein paar Decken und ein Moskitonetz. Wir schlafen gemeinsam in einem Raum. Es gibt ein Hockklo und einen Schlauch aus dem kaltes Wasser tropft, man könnte es mit einer Dusche vergleichen. Das Klopapier mussten wir allerdings selbst mitbringen.

Die Dämmerung bricht bereits herein als wir unser Gepäck verstaut und eine erfrischende Dusche genommen haben. Piroon bereitet in einem Wok auf offener Flamme ein herrliches Thai-Curry mit Reis, Frühlingsrollen und Früchten zu. Nach dem ersten anstrengenden Tag genießen wir das Essen bei Kerzenschein und trinken Thai-Whiskey am Lagerfeuer.

Tag 2
Klotz-Klotz! Es war eine kalte Nacht, als wir langsam die Augen öffnen, die Bettdecke bis über die Ohren gezogen. Klotz-Klotz! Wir werden von mehreren Hähnen des Dorfes im Dreivierteltakt geweckt. Klotz-Klotz! Und natürlich von dem „Klotzen“ des Bambusrohres, welches am Fluss angebracht ist und das Dorf vor umherziehenden Tieren abhalten soll.

Nach dem Frühstück laufen wir nur noch zu acht weiter. Die beiden Litauer Frauen werden bequemerweise mit dem Motorrad zum nächsten Etappenziel gebracht. Oh mann! Gleich zu Beginn stapfen wir einen steilen Pass hinauf. Die ganze Gruppe ist sofort wieder auf Betriebstemperatur. In den folgenden 3,5 h überqueren wir Reisfelder und durchschreiten Bambushaine. Wir ziehen an Pfeffer- und Ingwerpflanzen vorbei und kosten unterwegs verschiedene heimische Früchte. Auf einem Bergrücken steigen plötzlich Rauchschwaden auf und kleine Aschepartikel lassen erahnen, was gleich auf uns zukommt. Es ist so heiß, dass sich an mehreren Stellen trockenes Laub durch die Sonne entzündet hat. Piroon und wir treten manche kleine Feuer aus. Bei anderen Brandherden müssen wir allerdings kapitulieren und durchspringen den heißen Feuerqualm „like a stuntman“. Puh! Nochmal gutgegangen. 😉

Unten am Fluss warten wir auf drei Elefanten, auf denen wir jeweils zu zweit reiten. In 45 Elefanten-Minuten lassen wir uns von dem beeindruckenden Tier zu einem weiteren Dorf der Karen zum Mittagessen tragen. Ich fühle mich wie ein Mahout, als ich direkt im Nacken und hinter den Ohren des Elefanten sitzen darf. Nur die Kommandos kommen vom echten Mahout, die uns immer begleiten. Sich auf einem Elefanten fortzubewegen, fühlt sich gemächlich, erhaben und auch ein bisschen hilflos an. Zumindest wenn man unter Höhenangst leidet und leicht seekrank wird. 😉

Nach dem kurzen Mittagessen wählt Jacqueline zusammen mit den vier Litauern die bequemere Route zu unserem Nachtlager. Über den Mae Tang Fluss geht es für sie auf zwei selbstgebauten Bambusflößen gemächlich zum Dorf der Lahu, während hingegen ich mit den restlichen Trekkern durch eher uninteressantes Gebiet marschiere. Da die Litauer allerdings zweimal halb gekentert sind, erreichen wir das Dorf zu Fuß schneller – trotz der Hitze und brennender Oberschenkel.

Abends am Lagerfeuer holt Piroon seine Akustikgitarre hervor und sang mit uns und auch ein paar Dorfbewohner neben Thaisongs auch die internationalen Klassiker von Eric Clapton und Co. Und das mitten im Wald. Nur das Feuer, der Fluss und die Sterne sind zu sehen. Ein durchaus romantischer Moment, wie ich finde.

Bevor wir nach den zahlreichen musikalischen Einlagen ins „Bett“ gehen, ist erstmal Zähneputzen und Toilette angesagt. Normalerweise auch nichts ungewöhnliches. In völliger Dunkelheit laufen wir beide – mit Taschenlampe bewaffnet – zu den einfachen Holzverschlägen mit dem euch schon bekannten Hockklo und einem Eimer Wasser zum spülen. Uns erwarten mehrere handflächengroße dicke Spinnen! Das war Jacqueline zu viel und wir wichen in den Bretterverschlag namens „Dusche“ aus, wo wir auf Anhieb keine Spinnen entdeckten. Ich habe die Hütte aber auch nicht richtig ausgeleuchtet. 😉

Tag 3
An unserem letzten Tag des Trekkings bauen uns Piroon, Lek und einige Helfer aus dem Lahudorf zwei Bambus-Flöße. Über den Mae Tang Fluss gleiten wir beim Bamboorafting 2,5 h durch die dichtbewachsene Schlucht. Jeder steht auf dem Floß, wobei nur der Thai-„Kapitän“ vorne und wir Männer hinten mit Bambusstöcke steuern. An sich hört sich das eher wie eine gemütliche Bootsfahrt als nach einem schweißtreibenden Rafting an. Und die meiste Zeit schwimmen wir auch entspannt vor uns hin. Nur bei manchen Stromschnellen krachen wir mit dem 6-7m langen Floß frontal gegen dicke Felsen, wobei dies manche aus den Flipflops wirft.

Nach einem letzten gemeinsamen Mittagessen am Ufer in Sapong kehren wir mit einem kurzen Halt an einer kleinen Orchideen- und Schmetterlingsfarm wieder zurück in die Zivilisation. Mit 72 Stunden anstrengenden und schönen Trekkingerlebnissen im Rucksack. Und bereit für eine warme Dusche und ein bequemes Bett.

Unser kompetenter, sympathischer und lustiger Trekking-Guide Piroon Nantaya: www.chiangmai-trekking.com

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Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. Anonymous sagt:

    Habt Ihr eine Orchidee im Gepäck für mich ???
    Tolle Bilder !! Sind in Gedanken bei Euch !! Passt ja auf euch auf !! Haben Euch lieb
    Glg Carola und Gerhard

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